A1-Bescheinigung bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten

07.05.2019

In letzter Zeit wurde unsere Ausgleichskasse vermehrt mit der Frage konfrontiert, ob für sämtliche berufsbedingten grenzüberschreitenden Tätigkeiten eine A1-Bescheinigung zu beantragen ist. Entsprechende Empfehlungen seitens BDO, Deloitte, Ernst & Young (EY), KPMG oder PricewaterhouseCoopers (PwC) sorgen scheinbar derzeit für eine bestimmte Unruhe.

 

Grundsätzlich wäre eine A1-Bescheinigung für jede berufsbedingte grenzüberschreitende Tätigkeit (ohne Mindestdauer), also ab dem ersten Tag auszustellen, sofern ein entsprechender Antrag bei uns eingeht. Es gibt also keine Marginalgrenze!

 

Hierbei wird allerdings unterschieden, ob es sich um eine einmalige Entsendung oder um eine gewöhnlich (abwechselnd) in der Schweiz und mindestens einem weiteren EU- und/oder EFTA-Mitgliedstaat ausgeübte Tätigkeit handelt. Massgebend sind dabei die Dauer und Art der Tätigkeit (dauerhafte oder einmalige ausgeübte Tätigkeit).

 

Die A1-Bescheinigung bestätigt, dass für den Arbeitnehmer bis zu einem bestimmten Datum die Sonderregelung für entsandte Arbeitnehmer gilt und diese weiterhin den schweizerischen Rechtsvorschriften unterstellt bleiben. Die A1-Bescheinigung ist allerdings deklaratorisch, d.h. es ändert an der materiell rechtlichen Lage (Unterstellung im Entsendestaat) nichts – die Rechtswirkung der Entsendung ist auch ohne Ausstellen des Formulars eingetreten. Somit ist die A1-Bescheinigung nicht zwingend nötig, damit die Entsendungswirkungen eintreten können. Zudem ist es auch möglich, ein solches Formular für einen rückwirkenden Zeitraum auszustellen. Die A1-Bescheinigung dient also dem Arbeitgeber bzw. der betroffenen Person dazu, nachzuweisen, dass die Entsendevoraussetzungen erfüllt sind.

 

Die A1-Bescheinigung wird aber nicht nur für den Nachweis der anwendbaren Rechtsvorschriften im Bereich der sozialen Sicherheit verwendet. Insbesondere zur Bekämpfung der Schwarzarbeit wird in der nationalen Gesetzgebung oftmals auf dieses Formular abgestellt. So sieht etwa das Schweizer Entsendegesetz vor, dass ausländische Dienstleistungserbringer das Formular A1 vorlegen müssen, um ihre selbstständige Erwerbstätigkeit nachzuweisen. Österreich und Frankreich haben ihre diesbezüglichen arbeitsrechtlichen Vorschriften kürzlich verschärft. Das Nichtvorweisen des Formulars kann allenfalls zu Arbeitsunterbrüchen oder sogar zu Bussen führen. Dies insbesondere in Branchen, die oftmals von Schwarzarbeit betroffen sind (Bau, Transportgewerbe…). Es ist entsprechend nachvollziehbar, dass viele Firmen sicherheitshalber auch für kurze Entsendungen eine A1-Bescheinigung verlangen.

 

Auf unserer Website finden Sie dazu weitere Informationen. Die Antragstellung auf eine A1-Bescheinigung kann elektronisch über die Webapplikation ALPS erfolgen.

 

Bei Fragen oder Unsicherheiten zögern Sie nicht uns zu kontaktieren – unsere Spezialisten beraten Sie diesbezüglich gerne.

 

Freundliche Grüsse

 

Ausgleichskasse Swissmem